Warum entschließt man sich zum eigenen Schreibbüro?

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Re: Warum entschließt man sich zum eigenen Schreibbüro?

Neuer Beitragvon bibi2001 » Di 28. Sep 2010, 11:21

Ein eigenes Schreibbüro, klingt super!!
Mir kam die Idee erst sehr spät, eigentlich war es situationsbedingt.
Ich war 1 Jahr arbeitslos und als dann der Zeitpunkt kam, dass das ohnehin sehr wenige Arbeitslosengeld vorbei war, habe mich mir so meine Gedanken gemacht, was ich tun kann.
Ich stellte mir selber Fragen wie: Was kann ich?, Was würde mir Spaß machen?, In welchem Job könnte ich glücklich werden?
Dann ging ich online und sah mich in verschiedenen Jobbörsen um und stieß auf den Schreibdienst. Ich entschied mich für den medizischen Schreibdienst, weil ich auf diesem Gebiet schon tätig geworden war (4 Jahre Onkokologische Praxis als Arztsekretärin - 1/2 Jahr histologisches Einsendelabor (Krankheitsvertretung) und dabei war nicht das Geld im Vordergrund, denn mir war klar, dass man sich in diesem Job "keine goldene Nase" verdienen kann. Aber solange es zur Deckung der Ausgaben reicht, ist es doch gut. ;) Ich bewarb mich bei mehreren Firmen und nach einigen Probediktaten fand ich dann die richtigen. Ich merkte schnell, dass man einrosten kann :), konnte mich schnell wieder einarbeiten und habe in dieser Zeit viel neues gelernt. Mir macht die Arbeit Spaß, natürlich macht es keinen Spaß stundenlang vorm PC zu hocken und auf Arbeit zu warten, aber so ist das nun mal in diesem Job. Es geht anderen ja auch nicht besser. Trotzdem würde ich nichts anderes mehr machen wollen.
bibi2001
 
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Re: Warum entschließt man sich zum eigenen Schreibbüro?

Neuer Beitragvon Tippliesel » Fr 19. Nov 2010, 21:25

Hallo und guten Abend!

Nachdem ich mich hier mal durch die Beiträge gelesen habe, denke ich, auch ich schreibe mal, warum ich das tue, was ich tue.

Ich bin jetzt "hauptberuflich" fulltime in einer Reha-Klinik tätig (manage dort das Medizin-Programm und alles, was mit der Briefschreibung/Brieflaufzeiten sowie dem externen Schreibbüro zusammenhängt). Davor war ich 15 Jahre in derselben Klinik im Schreibbüro - bis dieses aus Kostengründen "outgesourct" wurde. Noch davor war ich 10 Jahre in einer Klinik als Arztsekretärin tätig (hatte die Stelle damals von meiner Mutti übernommen, die in Rente ging... habe das Tippen also sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen... *lach)

Das ganze Für und Wider externes oder internes Schreibbüro kenne ich auch... Es gibt meines Erachtens fast genausoviel Gründe FÜR wie DAGEGEN und jede Klinik hat ihre eigenen... Bei uns ist man inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass extern wohl doch zu teuer ist. (Aber das in etwa ausrechnen hätte man ja vorher können!) Wenn das Haus voll ist, fallen nun mal auch viele Briefe an. Mehr sag ich nicht dazu...
Unser Schreibbüro, mit dem wir zusammenarbeiten, ich glaube, die können von dem, was gezahlt wird, nicht reich werden. So ist denn auch meine Ansage, wenn mal wieder über die Qualität gemeckert wird, meist: für DAS Geld könnt ihr nicht mehr erwarten. Wer gute Leistung haben will, muss auch gut zahlen. Das kann ich aber nur machen, weil ich genau weiß, wovon ich rede. Schließlich habe ich 15 Jahre lang diese Diktanten selber gehört/geschrieben und weiß um deren Qualität (oder nicht...)

Sicher hat man in jedem Schreibbüro "Neulinge", wo man noch Hilfestellung geben muss, und Mitarbeiter, wo es flutscht. Aber es ist doch so, wie scriptum schon schrieb - WO bitte kann man DAS denn lernen??? Entweder vor Ort in einem Schreibbüro mit anderen zusammen oder??? Alleine zu Hause und noch nie medizinische Texte geschrieben - kann man das dann alleine lernen??? Wohl kaum. Insofern wünsche ich ihr so viel Erfolg wie nur geht!
Aber es hängt auch viel von der eigenen Einstellung ab - will ich das wissen, interessiere ich mich für das, was ich schreibe oder tippe ich nur so runter nach dem Motto "Masse statt Klasse". Es gibt überall so'ne und solche... Wer nur auf Menge geht und die Qualiltät außen vor lässt, wird auch mit der Selbstständigkeit wohl kaum erfolgreich sein. Ich denke, man kann sich von der großen Zahl der Schreibbüros nur durch gutes Preis-LEISTUNGSVERHÄLTNIS hervorheben. Und auch da habt ihr recht, Dumpingpreise sollte man ablehnen!!
Eigentlich können wir medizinischen Schreibkräfte doch etwas, was nicht allzu viele können!!! Da kann man ruhig auch stolz drauf sein!!

Wie das bei uns in der Klinik weitergeht, weiß ich noch nicht. Bin selber gespannt. Die DAS können, was ich da verlangen muss, die stehen nicht reihenweise vor der Tür und das Arbeitsamt ist da definitiv keine Hilfe.

Da ich aber auch noch alleinerziehende Mutter bin, reicht das Geld hinten und vorne nicht. Teenager kosten :roll:
So schreibe ich dann abends und an vielen Wochenenden auf selbstständiger Basis für ein großes Internet-Schreibbüro – und in dieser Konstellation ist es für mich genau passend. NUR von zu Hause arbeiten wäre FÜR MICH keine gute Alternative – mir fiele die Decke auf den Kopf. Ich brauch auch mal Leute um mich rum…und mache meinen Job in der Klinik wirklich gerne!!

Der Nebenjob bietet mir allerdings viel Neues und es macht mir richtig Spaß, immer wieder für andere Fachgebiete zu schreiben – dadurch habe ich meine Fähigkeiten enorm erweitern können und lerne ständig dazu. Die geschriebenen Aufträge werden dort durchgehend bewertet, man bekommt die Feedbacks und weiß genau, wie man steht. Da kann man seinen Ehrgeiz so richtig austoben :geek:

Und das Geld, das ich dort verdiene, gleicht mir den fehlenden Kindesunterhalt aus. Auch das ist Motivation. Bin von dort schon gefragt worden, ob ich das nicht hauptberuflich machen möchte, bei meiner Geschwindigkeit etc. käme ich doch auf gutes Geld…. aber nein, das habe ich dankend abgelehnt!! 8 Stunden täglich nach Leistung tippen– DAS möchte ich nicht wieder machen müssen! Es ist auch ungesund für den Rücken, die Augen… na das macht mir schon ein wenig Sorgen.

Ihr seht, jeder hat so seine eigene Geschichte… übrigens… das Argument, dass man unseren Job von jedem Ort der Welt aus machen kann, Hauptsache man hat einen Internetzugang… ist natürlich nicht von der Hand zu weisen… in der Sonne säße ich auch gerne…. *schmunzel

Aber auch hier geht der November mal vorbei und es kommen irgendwann auch wieder sonnigere Tage!!!

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende,
den Selbstständigen genug Aufträge und zufriedene Kunden
und dem Forum noch viele fleißige Beitrags-Schreiber!!!!

Viele Grüße

Tippliesel
Tippliesel
 
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Re: Warum entschließt man sich zum eigenen Schreibbüro?

Neuer Beitragvon Melusine » Di 15. Feb 2011, 09:15

Guten Morgen,

ich hoffe, hier schaut ab und zu noch jemand vorbei. Das Thema dieser Diskussion finde ich sehr interessant und würde gern auch etwas dazu schreiben. Nun denn...

Ich erzähle mal kurz etwas genauer, warum ich vorhabe ein Schreibbüro zu gründen:

Momentan bin ich in Elternzeit, aber der Gedanke an eine selbstständige Tätigkeit ist schon mehrere Jahre "alt". Im Grunde genommen kamen mir meine Kinder dazwischen, sonst hätte ich eine Existenzgründung vielleicht sogar schon längst verwirklicht. Letztlich war es aber sehr gut, dass ich durch die berufliche Auszeit wegen der beiden Kinder viel Zeit zum Nachenken und Recherchieren hatte. Eine Existenzgründung sollte definitv keine fixe Idee sein oder aus der Not heraus passieren, egal ob man ein Schreibbüro oder eine Pommesbude aufmachen möchte.

Mittlerweile bin ich so weit, dass ich ganz ernstlich vorhabe, ein Schreibbüro spezialisiert auf pharmazeutische und medizinische Schreibarbeiten zu gründen. Meine berufliche Qualifikation besteht aus zwei Berufsausbildungen, Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte und Pharmazeutisch-technische Assistentin. Direkt nach der Ausbildung zur PTA habe ich erst mal in einer öffentlichen Apotheke gearbeitet, hauptsächlich im Handverkauf und in der Rezeptur. In 2003 wechselte ich den Arbeitgeber und bin seitdem in einem pharmazeutischen Unternehmen in der Arzneimittelzulassung angestellt. Ohne weiter ins Detail gehen zu wollen, weil dies ein sehr komplexer, fachspezifischer Bereich ist, kann ich zusammenfassend sagen, dass ich seit vielen Jahren hauptberuflich pharmazeutische und medizinische Schreibarbeiten verrichte, umfassende Erfahrungen auf diesem Gebiet habe und guten Gewissens behaupten kann, einen qualifizierten Schreibdienst auf diesem Fachgebiet anbieten zu können.
Nach der Geburt meiner ersten Tochter kehrte ich nach einem Jahr Elternzeit in meinen Beruf zurück und mir wurde die Möglichkeit eingeräumt, teilweise von zu Hause aus zu arbeiten. Somit habe ich bereits Erfahrung mit der Arbeit im Homeoffice. Es erfordert wirklich Disziplin und ist keinesfalls bequemer, als ein externer Arbeitsplatz. Aber es ist ruhig, ich kann konzentriert arbeiten und kann flexibler auf Unvorhergesehens reagieren, was schon mal vorkommen kann, wenn man kleine Kinder hat (die übrigens trotzdem außer Haus betreut werden müssen, sonst kommt man nämlich auf keinen Fall zum Arbeiten).

Warum will ich jetzt diesen komfortablen Job aufgeben und mich in die Ungewissheit der Selbstständigkeit begeben?

Im Grunde genommen bin ich sehr enttäuscht darüber, dass ich mich für meinen Job jahrelang so eingesetzt habe. Ich habe unzählige Seminare zur Weiterbildung besucht, habe mich in das Markenrecht eingearbeitet und die Firmenmarken mit verwaltet. Ich kam mit einfachem Schulenglisch in die Firma und mittlerweile korrespondiere ich mit ausländischen Consultants und Behörden auf Englisch am Telefon und schriftlich. Die Arbeiten, die mir zugeteilt wurden, habe ich absolut eigenverantwortlich eingeteilt und vorausgeplant, um die Absendetermine einhalten zu können. Aber leider war es in 7 Jahren Firmenzugehörigkeit nicht möglich, mich wenigstens in eine angemessene Gehaltsgruppe zu versetzen. Irgendwie trete ich jetzt auf der Stelle und das macht mich unzufrieden. Ich kann an diesem Arbeitsplatz weder durch Weiterbildung, noch durch gute Leistungen, noch durch lange Zugehörigkeit irgendetwas an meiner Position oder meinem Gehalt verändern. Totale Sackgasse.

Jetzt bin ich noch bis Anfang nächsten Jahres mit meiner zweiten Tochter in Elternzeit. Ich habe natürlich auch die Möglichkeit in Betracht gezogen, mich bei anderen Firmen zu bewerben, in der Hoffnung woanders weiter kommen zu können. Aber wer aus dieser Branche kommt, weiß, dass man ohne Studium ziemlich verloren ist. Ich finde das sehr unfair, weil ich durch meine Berufserfahrung und meine Weiterbildung ganz sicher ebenso qualifizierte Arbeit leiste, wie die akademischen Kollegen.

Entschuldigung... Ich schweife ab, aber ihr seht, dass es mir wirklich was ausmacht...

Zurück zum Thema:

Ich möchte mich selbstständig machen. Und zwar mit dem, was ich gut kann, wofür ich mich seit Jahren einsetze und womit ich die Möglichkeit habe, mich weiter zu entwickeln. Vielleicht hauptsächlich in dem Sinne, dass eine unternehmerische Tätigkeit eine ganz neue Herausforderung an mich stellt.
Ich nutze die Elternzeit in den nächsten Monaten dazu, konkrete Beratung durch die IHK in Anspruch zu nehmen, einen Businessplan zu erstellen und mich über die finanziellen Dinge genauestens zu informieren. Ich erwarte nicht, dass ich reich werde mit einem Schreibdienst, aber ich erwarte, dass meine Leistung angemessen bezahlt wird und ich das Arbeitspensum steuern kann (arbeite ich mehr, verdiene ich mehr, arbeite ich weniger, verdiene ich weniger).

Entschuldigt bitte, dass es so lang geworden ist. Könnte noch viel mehr schreiben, aber ich warte erst mal ab, ob jemand von euch hier überhaupt noch liest ;) .

LG Melusine
Melusine
 
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Registriert: So 6. Feb 2011, 09:28

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